Rudolf Bodemeier München, Deutschland

 

Rudolf Bodemeier – ein weiterer Künstler des Atelier hpca, den wir gerne vorstellen:

Bereits in seiner Kindheit, etwa im Alter von elf Jahren, begann Rudi Bodemeier einen bestimmten Typus weiblicher Kreaturen aus Papier und Graupappe zu entwerfen. Völlig aus sich selbst heraus und für sich selbst. Diese Figurinen hat er seitdem beständig weiterentwickelt und handwerklich perfektioniert – obwohl man ihn ihretwegen der sexuellen Abnormität diffamierte und er in dem Heim, in dem er lebte, Verbote und Bestrafung zu erleiden hatte.

Bevor er sich im Jahr 2009 dem atelier hpca anschloss, hatte er bereits hunderte, ja über tausend dieser Figuren heimlich hergestellt: versteckt vor seiner Umgebung, oftmals in der Nacht. Viele der Puppen wurden dennoch zerstört, wenn die früheren Betreuer sie entdeckten. Erst mit seinem Eintritt in das atelier hpca wurde Bodemeiers Werk aufgezeichnet und in vollem Umfang dokumentiert. Dort ist das gesamte bestehende Werk von rund dreitausend Arbeiten archiviert und in seiner Vielfalt der unterschiedlichen Schaffensphasen, ihren Ausprägungen und Entwicklungen festgehalten.

Man könnte die Figuren als eine Art Spielpuppen beschreiben, sie als Fetische verstehen, einen vergleichbaren Gebrauch in Erwägung ziehen. Es sind Mischwesen, die stets aus einem weiblichen Körper und meist einem Tierkopf bestehen. In der Regel sind sie zwischen vierzig und sechzig Zentimeter groß. Was sie zeigen ist ein offenkundig stark sexualisierter Blick auf die Frau. Diese posieren mit ihren häufig überdeutlich ausgebildeten primären Geschlechtsmerkmalen und mit einem Kopf, der oftmals der eines Insekts, Vogels, Fisches, Pferdes oder anderem Getier stammt.

Die Puppen werden in einem extrem aufwändigen, langwierigen und auch physisch anstrengenden Prozedere gefertigt, welches offenkundig als solches bereits eine körperliche Herausforderung darstellt, berücksichtigt man die leichte spastische Einschränkung des Künstlers. Ausgehend von einer kleinen Skizze, einer Bleistiftzeichnung oder einer Collage aus Photokopien, werden die Puppen mit schwarzem Fineliner und Farbstiften in Reinzeichnung auf festes Papier gebracht. Die Zeichnung wird dann mit Holzleim auf eine schwere Buchbinder-Graupappe aufgeklebt und konturgenau mit einem Teppichmesser ausgeschnitten. Die flachen Objekte werden schließlich, wie um sie haltbarer zu machen, mit einer schützenden Transparentfolie aus Kunststoff vollflächig überklebt.

Rudolf Bodemeier wurde im Mai 1961 in München geboren. Seit seiner frühesten Kindheit, im Alter von vier Jahren, verbrachte er sein Leben ausschließlich in verschiedenen Einrichtungen und Heimen für Behinderte. Mit 13 wurde er in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Später arbeitete er in den Werkstätten für behinderte Menschen der Stiftung Attl bei Wasserburg in Bayern. Sein künstlerisches Oeuvre schuf er bis dahin in seiner Freizeit und im Verborgenen. Im November 2008 schloss sich Rudi Bodemeier dem atelier hpca in Oberschleißheim an, wo er seitdem ganztags als Künstler arbeitet.

Dort begann Rudi Bodemeier erstmals auch neue Typen und Formate seiner Figuren für einen erweiterten Gebrauch zu entwickeln. Beispielsweise schuf er 2012 in Zusammenarbeit mit dem TamS Theater in München sieben lebensgroße Theaterfiguren für das Stück „Schwanenflug“ der Dramaturgin Cornelie Müller, 2015 entstand eine erste vollplastische mundgeblasene und bemalte Glasfigur im Atelier Eisch in Frauenau. Es ist nun das Ziel der Ausstellung Unschuld im Kunstverein Regensburg diese große Vielfalt und damit die Wurzeln und den Hintergrund von Rudi Bodemeiers Schaffen nachzuzeichnen und so verständlich zu machen.

Weitere Informationen zum Atelier hpca: http://www.hpca.de/angebote-fuer-erwa…/kunst-outsider-art/…/

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