Glada Hudik-Theater Hudiksvall, Schweden

Das Glada Hudik-Theater

Die Geschichte des Glada Hudik-Theaters begann 1996, als Pär Johansson, der als Betreuer in einem Tageszentrum für geistig behinderte Menschen in Hudiksvall arbeitete, ein Theaterprojekt ins Leben rief. Das Theater sollte zunächst nur eine der verschiedenen Möglichkeiten sein, aus denen die Behinderten eine oder mehrere Aktivitäten auswählen konnten. Obwohl die Reaktion der Kollegen gemischt war, erhielt Johansson die Erlaubnis, seine Idee umzusetzen. Bis das Debüt der Theatergruppe seine Premiere feierte, musste Johansson allerdings gegen starke Widerstände und Proteste, nicht zuletzt von den Familien der beteiligten Schauspieler, kämpfen. Zu seinem Glück wurde die Show ein Riesenerfolg, und Pär Johansson setzte mit seinem Kollegen Olle Hillström die Arbeit fort. Jede neue Erfahrung bestärkte sie in ihrem Vorhaben, und die geistig behinderten Darsteller zeigten große Begeisterung fürs Theater und das Schauspielern.

Die Produktionen

Die erste Produktion des Glada Hudik-Theaters TOMTAR PĹ RYMMEN (dt.: Weihnachtsmänner im Weltall) wurde 1996 uraufgeführt. 400 begeisterte Zuschauer sahen sich damals die Show an. 1998, nachdem die Gruppe zwei weitere Stücke einstudiert und aufgeführt hatte, besaß das Theater bereits im lokalen Rahmen eine gewisse Bekanntheit. Dies bestärkte Pär Johansson und seine Darsteller, an das nächste Projekt professioneller heranzugehen. 1999 schafften sie ihren Durchbruch, als sie INDIANER I DJUNGELN (dt.: Indianer im Dschungel), eine Kollaboration mit dem Volkstheater Gävleborg, auf die Bühne brachten. Im darauffolgenden Jahr wurde DET STORA BANKRĹNET (dt.: Der große Bankraub) uraufgeführt. Hierbei verwendete die Gruppe zum ersten Mal Film als Stilmittel bei ihren Auftritten, ein Merkmal, das sich später wiederholen sollte.

2001 folgte das Stück HA EN UNDERBAR SEMESTER (dt.: Hab einen schönen Urlaub), und ihre frische und originelle Herangehensweise an dieses wie auch an die nächsten Stücke brachte ihnen wachsende Publikumsresonanz ein. Das Medley ihrer besten Stück, DET BÄSTA UR GLADA HUDIKTEATERN (dt.: Das Beste vom Glada Hudik-Theater), wurde 2003 bereits von 8.500 Zuschauern angesehen.

Ihr bisher größter Erfolg sollte aber noch kommen. ELVIS wurde 2005 uraufgeführt und brach alle Zuschauerrekorde in Hudiksvall. In den letzten Jahren war das Glada Hudik-Theater auf Tour und spielte ELVIS in solch großen Spielstätten wie dem Cirkus in Stockholm und dem Lorensbergtheater in Göteborg. Bis 2010 begeisterte die Gruppe mit ihrer Show über 110.000 Menschen, und ein Ende ist nicht in Sicht. Im Juni 2010 wartete ein weiteres großes Abenteuer auf die sympathischen Darsteller und ihren Theaterleiter: ELIVS wurde am Broadway in New York aufgeführt.

Die Idee

Die Förderung von geistig Behinderten hat vor allem eins zum Ziel: Den Behinderten soll, soweit es möglich ist, ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben ermöglich werden. Doch oft enden geistig behinderte Menschen, die in einem Tageszentrum eingebunden sind, in von der „normalen“ Welt abgeschlossen Gruppen. Pär Johansson und sein Kollege Olle Hillström waren sich dieser Problematik bewusst und haben daher rasch aktiv versucht, verschiedene Verbindungen zu externen Theatercompanies und Organisationen zu knüpfen.

Schüler aus ortsansässigen Schulen wurden beauftragt, bei den Projekten mitzuwirken, z.B. spielten sie Musik, malten das Bühnenbild und fertigten Requisiten, nähten Kostüme und arbeiteten Backstage für das Theater. Andere Gruppen und professionelle Organisationen stellten Licht- und Tontechnik zur Verfügung und kümmerten sich um das Make-up der Darsteller. Lokale Handelspartner fungierten als Sponsoren und waren auch begeisterte erste Zuschauer der Stücke. Es gab Kooperationen mit Schulen, bei denen die Schauspieler im Unterricht und auf der Theaterbühne mit Schülern zusammentrafen.

Im traditionellen Betreuungsumfeld behinderter Menschen, besteht die Gefahr, die geistig Behinderten zu verhätscheln und bei ihnen vor jeder Art von Erwartung und Zielsetzung zurückzuschrecken. Johansson und Hillström dagegen haben sich niemals gescheut, für ihre Schauspieler Ziele zu setzen, die sie mit ihnen erreichen wollten. Sie haben ihre Gruppe dazu motiviert, sich ohne Bedenken zu engagieren, immer mit dem Herzen dabei zu sein und ihr Bestes auf der Bühne zu geben.

Die Methode

Zu Beginn seiner Theaterarbeit mit geistig behinderten Menschen musste Pär Johansson eine geeignete Herangehensweise an das Projekt finden. Manche der Schauspieler können nicht lesen, andere nicht sprechen. Wieder andere haben Schwierigkeiten mit Bewegung oder können Gruppensituationen nicht ertragen. Hier war und ist entsprechend Geduld und ein solides Fundament im pädagogischen Bereich nötig, um aus dem Potential der Darsteller einen vollwertigen Theaterauftritt mit Dialogen, Tanz, Gesang und Musik zu machen. Es hat sich bewährt, die Produktionen auf Grundlage der Ideen der Gruppe auszuarbeiten, in dem zu Beginn gefragt wird: „Wer willst du sein? Wen willst du spielen? Und wie?“.

Um diese Charaktere, die langsam zum Leben erweckt wurden, bildeten sich einfache Geschichten heraus. Das Glada Hudik-Theater arbeitete zu Beginn nicht mit fertigen Scripts und Theaterstücken, es wurden keine Leseproben veranstaltet. Dennoch versuchten die Leiter der Gruppe, wenn die Charaktere und die Geschichte Form annahmen, sicherzustellen, dass die Schauspieler behielten, was sie gelernt hatten. Johansson und Hillström haben dazu eine Reihe von Techniken entwickelt, um den Schauspielern zu helfen, sich ihren Text zu merken. Auch die Komposition von Songs geschah spontan, und Melodie und Text wurden möglichst natürlich von der Gruppe erarbeitet. So konnten Musik, Text und Ablauf leichter von den Schauspielern erinnert werden.

Doch die Darsteller des Glada Hudik-Theaters sind an ihren Aufgaben gewachsen und können mittlerweile erstaunliche Fortschritte aufweisen. Spätestens seit ELVIS arbeitet die Theatergruppe mit fertigen Scripts und vorab komponierter Musik, selbst Songtexte in Englisch stellen kein Problem mehr dar.