Veröffentlichung: Theater.Rebellion | Buch verfasst am von Alfred Rauch

Vielfalt und das Menschenrecht auf künstlerische Teilhabe stehen im Zentrum der Arbeit des Berliner Theaters Thikwa, das 2016 sein 25-jähriges Jubiläum feierte und 2018 für seine herausragende künstlerische Ensembleleistung mit dem Martin-Linzer- Theaterpreis der renommierten Fachzeitschrift »Theater der Zeit« ausgezeichnet wurde.

Behinderung wird in diesem Theater weder geleugnet noch herausgeputzt, sondern in ihrem mitunter verstörenden Eigensinn zur Geltung und größtmöglichen Entfaltung gebracht: Die Thikwa-Performer*innen sind in ihrem künstlerischen Ausdruck einmalig, unverwechselbar und unverzichtbar.

Theaterkunst von und mit geistig behinderten Menschen ist noch immer ein Nischenbereich, mit dem viele Bürger*innen – auch kulturinteressierte – noch nie in Berührung gekommen sind. Sie ist noch längst kein selbstverständlicher Bestandteil des alltäglichen Kulturlebens. Auch heute noch gibt es kiloweise Klischees und Fragen in den Köpfen, ob die Theaterarbeit behinderter Menschen tatsächlich ein etwas anderer, jedoch letztlich »normaler« künstlerischer Beitrag ist oder nicht doch ein gut verpacktes Stück Therapie und Soziale Arbeit. Dem entgegen dokumentiert der vorliegende Band anlässlich des Jubiläums die wichtige Arbeit Theater Thikwas als Pionier für Mixed Ability und künstlerische Inklusion. Die Theatermacher*innen und Performer*innen kommen dabei selbst in Bild und Text zu Wort, und geben Auskunft über ihr künstlerisches Schaffen. Neben dem Porträt ausgewählter Performer*innen und Produktionen beinhaltet der Band auch eine Auseinandersetzung mit aktuellen Debatten um das sog. Disabled Theater, das Recht eines jeden Menschen auf künstlerischen Ausdruck und Teilhabe auf Augenhöhe sowie das Zusammendenken von Theater, Inklusion und Menschenrechten.

Die Autorin Claudia Lohrenscheit ist Erziehungswissenschaftlerin und Menschenrechtspädagogin und seit 2013 Professorin an der Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Coburg. Neben ihren Arbeits- und Forschungsschwerpunkten in der (inter-)nationalen Menschenrechtsarbeit (u. a. Kinderrechte, Gender, Inklusion und Diskriminierungsschutz) engagiert sie sich auch künstlerisch und pädagogisch in der Theaterarbeit in Berlin und Coburg.

Quelle und weitere Informationen: Theater Thikwa