Inklusion tanzt Hand in Hand mit Tradition: Debütantenpaar mit Down Syndrom eröffnet den 62. Wiener Opernball verfasst am von sicht:wechsel

Am 8. Februar 2018 eröffnet erstmals ein Debütantenpaar, bei dem beide Tänzer mit Down Syndrom leben, den traditionsreichen Opernball in der Wiener Staatsoper. Die beiden jungen Erwachsenen sind Mitglieder des Vereins „Ich bin O.K.“ und absolvieren zurzeit eine Ausbildung zum Tänzer und Tanzassistenten, speziell für Menschen mit Lernschwierigkeiten, organisiert vom Verein „Ich bin O.K.“ und dem Sozialministeriumsservice Wien.

 

Wenn die Wiener Staatsoper am 8. Februar wieder Tür und Tor für Gäste aus aller Welt öffnet und am Ring der rote Teppich ausgerollt wird, steht auch der große Moment für die 144 Paare des Jungdamen- und Jungherren-Komitees kurz bevor. Die insgesamt 288 jungen Erwachsenen eröffnen den Ball, durch eine Choreografie zur Polonaise in As-Dur von Frédéric Chopin.
2018 wird eines dieser Paare zum ersten Mal von einem jungen Mann und einer jungen Frau gebildet, die beide mit Down Syndrom leben. Felix Röper aus Niederösterreich und Swatina Wutha aus Niedersachsen leben mit der Genveränderung, auch Trisomie 21 genannt und sind beide schon seit vielen Jahren begeisterte Künstler. Während beide mit großer Leidenschaft Tanzen ist Swatina zusätzlich ausgebildete Schauspielerin und hatte ein Engagement am Hamburger Thalia Theater.
Felix war im Rahmen einer Ausbildung beim Marionettentheater im Schloss Schönbrunner tätig.
Die jungen Künstler sind außerdem Mitglieder des „Ich bin O.K.“ Kultur- und Bildungsverein für Menschen mit und ohne Behinderung. In dem seit über 39 Jahren existierenden Verein werden wöchentlich 17 Kurse mit verschiedenen Schwerpunkten wie z.B. Standardtanz, zeitgenössischer- oder Hip Hop Tanz für Menschen mit und ohne Behinderung angeboten. „Aus dem Tanzstudio entwuchs 2010 das Projekt einer Dance Company, bei dem, fortgeschrittene Tänzer mit Down Syndrom, mit internationalen Künstlern ohne Behinderung anspruchsvolle Choreografien und Tanztheaterstücke erarbeiten,“ erzählt Hana Zanin Pauknerová, die den Verein seit 2009 als Obfrau leitet.
Seit September 2017 bietet „Ich bin O.K.“ in Kooperation mit dem Sozialministeriumservice außerdem eine innovative Ausbildung zum Tänzer und Tanzassistenten, speziell für Menschen mit Lernschwierigkeiten an. Felix und Swatina absolvieren beide diesen Lehrgang. Die junge Frau ist dafür sogar extra von Deutschland nach Wien gezogen.
Den Verein „Ich bin O.K.“ verbindet eine lange Geschichte mit dem Wiener Opernball. Hana Zanin Pauknerová erzählt: „Schon 2001 beteiligte sich der Verein auf Einladung von Ioan Holender und Renato Zanella mit inklusiven Tanzperformances an der Eröffnungszeremonie. Und auch in den vergangenen Jahren war immer wieder ein Mitglied von ‚Ich bin O.K.‘ Teil des Jungdamen- und Jungherrenkomitees.“
Das Ziel von „Ich bin O.K.“ ist es die Gesellschaft durch Tanz und Theater für die kulturelle Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung zu sensibilisieren und Barrieren abzubauen. Dass eine so gewichtige Institution wie der Wiener Opernball schon seit vielen Jahren Gleichberechtigung und Inklusion vorlebt, kann darum nur freudestrahlend begrüßt werden.

 

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